Workcamp Malawi – Ekwendeni

Ich saß mit vielen Fragen in meinem Kopf im Flugzeug. Wird wohl alles gut gehen, was wird uns in Afrika erwarten? Wird der Projektpartner Steven uns am Flughafen empfangen, oder müssen wir wohl lange warten? Was ist wohl ein „open car“, mit dem er uns abholt? Was passiert, wenn zwei so verschiedene Kulturen aufeinander treffen?

Schon die Gerüche im Flugzeug waren gewöhnungsbedürftig. Doch die Freude war riesig, obwohl ich voller gemischten Gefühlen war. Ich konnte es gar nicht abwarten zu sehen, was mich in dem Gastland erwarten würde. Nun dauerte es nicht mehr lange bis wir endlich die ersten Eindrücke bekamen. Und dann war es auch soweit, wir gelandeten und wurden auch schon am Gepäckband von Steven, unserem Projektpartner im Deutschland-Outfit erwartet.

Wow, das war also der Moment, auf den wir so lange gewartet hatten und auf den wir von unserem Kolping Teamer, Thomas Kurz, an einem Wochenende vorbereitet wurden. Wir wurden so herzlich empfangen. Auch Toralf ein Freiwilliger von Kolping und Austin, der Parish Chef waren am Flughafen, um uns zu empfangen. Dann erfuhren wir auch was ein „open car“ ist. Nämlich ein Pickup, auf dem unser Gepäck gelagert wurde. Dann ging es los, die Fahrt zu unserer Lodge. Ich war ganz gefesselt von der Landschaft, diese unglaubliche Weite der Steppen, mit kleinen Dörfern. Die ersten Eindrücke von Kindern, Frauen die Reis auf den Köpfen tragen und Straßenverkäufer, die ungewöhnliche Speisen, bei denen es sich um gebratene Mäuse handelt, ließen den langen Flug vergessen. Steven freute sich, dass wir endlich in Malawi sind und ließ uns dies auch spüren. Unsere Unterkunft war sehr süß, sauber und auch wieder wurden wir freundlich empfangen und erstmal bekocht. Nachdem wir unser erstes afrikanisches Essen gegessen hatten, waren die Sorgen schon mal vergessen. Reis, Fleisch, in Öl gebratene Kartoffeln und Rühreier, da waren wir uns einig, dass wir dieses Essen die nächsten Wochen gut essen konnten. Dann ging es in die Stadt. Erstmal wurde unser Geld gewechselt. Jeder hatte einen dicken Packen Geld bekommen und wir sind zu einer schönen Bar gefahren. Wir saßen draußen, mit Livemusik und die ersten Gespräche mit Einheimischen konnten beginnen. Noch etwas schüchtern, aber stets lachend haben wir den ersten Abend in der neuen Heimat verbracht. Dann ging es ins Bett, damit wir den nächsten Tag in vollen Zügen ausgeschlafen genießen konnten.

Dienstag, 7.30 Uhr, der Wecker klingelte und ich konnte es gar nicht abwarten, aufzustehen und mehr zu erleben. Wir brachten die erste Afrika-Dusche hinter uns; das Wasser war kalt und der Strahl auch nicht so stark wie in Deutschland, aber wir hatten Wasser. Wir saßen alle versammelt am Frühstückstisch und bekamen in Öl gebratene Kartoffeln mit Salat und Tomaten, aber es gab auch Brot. Nachdem wir alle satt waren, hieß es ab mit dem Gepäck ins Auto und die Fahrt nach Lilongwe konnte beginnen.

Für eine Hauptstadt, machte auf uns einen vollkommen anderen Eindruck als die europäischen Städte. Im Supermarkt haben wir alles für die Fahrt und für die ersten Wochen besorgt. Natürlich wollten wir dann auch unser erstes Afrikanisches Geld haben. So sind wir zur Bank gegangen und jeder konnte 20.000 K abheben. Unglaublich, mit so viel Geld rumzulaufen. Die Herren in Uniform liefen um die Bank herum und trugen dicke Maschinengewehre. Auf der Straße wollten die Einheimischen uns vieles verkaufen, doch waren sie nicht so aufdringlich, wie wir es erwartet hatten. Anschließend hatten wir den großen Trip von Lilongwe nach Mzambazi vor uns. Die Landschaft kann man als eine unvorstellbaren Weite beschreiben, teilweise sehr bergig. Die Dörfer waren direkt an der Straße gelegen. Echt wunderbar zu sehen, dass jeder mithilft; selbst beim Verkauf von Gemüse wurden die Kinder gestillt. Der erste Teil bis Mzimba war geschafft, die Straßen waren geteert, sodass es sich sehr gut fahren ließ. Doch dann war es vorbei. Es ging bergauf und die Straßen waren sehr hügelig mit vielen Schlaglöchern. Trotzdem sind uns Einheimische auf dem Fahrrad entgegen gekommen, und zwar ohne Licht. Nach einer guten Stunde, hatten wir unser Heim für die nächsten drei Wochen erreicht. Es war ca. 23 Uhr und unsere Partnergruppe hatte sich versammelt, um uns zu begrüßen. Wir machten uns bekannt und tauschten die ersten Fragen und Antworten aus.

Am Samstagmorgen kauften wir nach dem Frühstück Kekse für unseren Besuch der Familien unserer Partnergruppe. Dann geht es endlich los. Meine Partnerin Esther und ich hatten einen Marsch von ca. 45 Minuten vor uns. Als wir bei ihrer Mutter ankamen, mussten wir feststellen, dass sie gar nicht da war. Esther erzählte mir, dass sie Wasser holte. Nach etwa 30 Minuten erschien sie und freute sich unglaublich über meinen Besuch. Ich bekam einen schönen Tee und mein afrikanisches Lieblingsessen Süßkartoffeln. Es war lecker und Esthers Mutter freute sich sehr, dass es mir so gut schmeckt. Natürlich wurde ich auch noch stolz dem ganzen Dorf vorgestellt. Die Frauen saßen draußen und strickten oder kümmerten sich um das Essen. Sie saßen nicht so wie wir in schönen Stühlen, sondern auf einer Decke auf dem Boden. Auch gegessen habe ich vor dem Haus. Esther war es sehr unangenehm, dass sie mir nicht mehr „bieten“ konnte, aber mir machte es gar nichts aus.

Mit der deutschen Gruppe haben wir uns über die unterschiedlichen Lebensweisen ausgetauscht. Bei einigen Familien gab es sogar Fernseher und Möbel, während anderen sehr einfach leben. Als wir alle wieder etwas erholt von dem Ausflug waren, versammelten wir uns mit unserer afrikanischen Partnergruppe und spielten ein paar europäische Spiele. Twister kam richtig gut an aber auch bei der Reise nach Berlin konnten wir uns vor Lachen kaum halten.

Am Dienstag besuchten wir den Lake Malawi. Durch uns zur Verfügung gestellte Geld, konnten wir unsere Partnergruppe eine Nacht zu uns in die Lodge einladen. Ganz aufgeregt von den Eindrücken, die sie von der wunderschönen Seelandschaft hatten, kamen sie mit drei Stunden Verspätung an und begrüßten uns herzlich. Wir konnten es kaum abwarten, mit ihnen schwimmen zu gehen. Da sie nicht die Möglichkeit haben, mit dem Auto so weit zu reisen, haben die meisten von ihnen noch nie so eine Wassermenge gesehen und können auch nicht schwimmen. Obwohl es sehr windig war und die Wellen sehr hoch waren, gingen wir ins Wasser und planschten in den Wellen. Nach 4 Std. treten wir den Rückweg zu unserer Lodge an. Natürlich durfte wieder Twister nicht fehlen.

Am Sonntag, dem letzten Tag vor der Abreise, hatten wir eins der Highlights vor uns: der ereignisvolle Kirchengang. Am vorherigen Tag hatten wir traditionelle Tänze einstudiert, die wir in der Kirche präsentierten. Die Kirche war bis auf den letzen Platz besetzt und dauerte ungefähr dreimal so lange wie in Deutschland. Steven hielt schöne Reden und wir wurden sogar nach vorne gebeten und nochmals vorgestellt. Es herrschte eine unglaublich faszinierende Stimmung. Es wurde gesungen und getanzt, sodass wir traurig waren, dass drei Stunden doch so schnell vorbei sind. ..

Gemeinsam genossen wir noch mal jede Sekunde, die wir zusammen verbringen konnten. Keiner möchte an den nächsten Tag denken...

Teilnehmer_in 2010

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