Falk in Fidschi

Vorbereitung:
Vieles fing damals schon vor Fidschi an. Fidschi ist und war ja damals ein Land so unbegreiflich und weit entfernt. Hier in Deutschland stellt man sich zumeist nur traumhafte Sandstrände, Palmen, lachende Menschen und Frauen in Bikinis vor. Ich muss zugeben auch ich hatte damals dazugehört. Um aber einen schnellen Start in die, für einen Deutschen, vollkommen fremde Kultur zu haben, gehört wohl eine gute Vorbereitung dazu.

Also einmal kurz zu den Vorurteilen: Traumhafte Strände, Palmen, lachende Menschen und Frauen in Bikinis - stimmt alles! Insofern man im Fünf-Sterne-Resort auf den Yasawas bleibt. Man muss sich vor Augen führen, dass Fidschi ein Entwicklungsland ist.
 
Packt Eure Sachen vor allem wasserfest, ein Rucksack der regenfest ist, ist unverzichtbar! Suva gehört zu den Top Ten Städten mit dem meisten Niederschlag, und ich verrate nicht zu viel, dass selbst mein Reisepass geschimmelt ist.
Als Info zur Bevölkerung Fidschis: Fidschis Ureinwohner haben afrikanische Wurzeln, gehören also zu den Melanesiern wie die Papuas, Aboriginies, etc. Die Südseebewohner, wie sie im Prospekt der Reiseveranstalter abgebildet sind, sind meistens Polynesier (Tonganer, Samoaner oder Hawaiianer).

Ankunft:
Man fliegt circa 26 Stunden, mit einem kurzen Stopp in Südkorea-Incheon. Hier könnt Ihr kostenlos eine Tempelanlage anschauen, wenn ihr das Terminal verlassen möchtet. Ist wirklich zu empfehlen, und Ihr könnt Euch einmal die Beine vertreten.
In Nadi seid Ihr dann vollkommen geplättet durch den langen Flug und die Zeitumstellung (im August zehn Stunden, ab Oktober kurzzeitig elf Stunden dann zwölf Stunden zur MEZ). Mit anderen Worten Eure innere Uhr wird größtmöglich durcheinander gewirbelt. Ich selber brauchte Monate, um mich daran zu gewöhnen. Am Flughafen begrüßt Euch aber gleich ein kleines Orchester mit typischer fidschianischer Musik (die ihr noch sehr viel und sehr oft hören werdet). Wie es dann hier weitergehen wird, kommt auf Euren neuen Projektpartner an. Wichtig ist gleich einmal Geld wechseln und eine Vodafone-Karte kaufen (billigste Variante neben Skype, um nach Hause zu telefonieren).
Ihr werdet Euch dann im Deluxe-Bus (grauer Bus mit Flatscreen!!!!) für vier Stunden auf den Weg nach Suva (Hauptstadt) begeben. Nach schönen 30 Stunden habt Ihr es dann geschafft, Ihr habt euren Bestimmungsort erreicht.

Projekt:              
So, nun endlich zu den wirklich wichtigen Dingen! Die Mitglieder von Rako sind ein verrückter Haufen aus allen sozialen Schichten Fidschis. Ihr werdet hier sehr herzlich aufgenommen. Die Menschen sind immer wieder für einen Witz gut und quasi immer in Bewegung. Es vergeht kaum ein Wochenende, an dem nicht ein Event ist. Sollte dies doch einmal der Fall sein, findet Ihr immer jemanden, der mit Euch in die Disco geht. Sollte dies nicht der Fall sein, kann man sich auch zu Hause bei den Leuten treffen und eine gemütliche Runde mit Kava (das darf bei echten Fidschis natürlich nicht fehlen) genießen. Hierbei lernte ich die Mitglieder besser kennen und war erstaunt, wie herzlich man überall aufgenommen wurde und wie alle um meine Sicherheit besorgt waren.
Da ich persönlich eher linke Füße habe, hat es mich überrascht, dass die Leute es nie aufgegeben haben, mir Tanzen oder ein Instrument zu spielen beizubringen. Am Ende konnte ich zumindest Grundtanzarten und es hat einen Riesenspaß gemacht. Es war eine völlig neue Erfahrung, auch wurde mir vieles (untypisch für Fidschi) erklärt. Es hilft ungemein, da man sich als Europäer eigentlich in ein Fettnäpfchen nach dem anderen bewegt. Angefangen von der Begrüßung, über Pünktlichkeit, Witze, Wahrheit etc..
                              
Das Projekt an sich ist ein Musik- und Tanzprojekt, hier lernen Jugendliche (größtenteils von der Straße oder sozialen Brennpunkten, aber auch Studenten etc.) gemeinsam singen, musizieren oder tanzen oder alles zusammen. Geführt wird die Gruppe durch Letila (Tanzlehrerin), Paul (ehemaliger Moderator und Musiker), Josi (Werbefachfrau) und Lambert (Künstler). Sie organisieren die Events und halten die Gruppe am Laufen. Dazu kommen noch die Ausbilder der Gruppe Skillz (Musiker und Tänzer), Laudan (Tänzerin) und Ema (Sängerin).
Mitglieder bestehen größtenteils aus Rotumanen (einzige Polynesier Fidschis) und iTaukei (Melanesier), aber es sind auch vereinzelt Tuvalaner (Nachbarstaat Fidschis) im Projekt.

Gastfamilie:
Hier war ich, um es rund zu machen, in der letzten Volksgruppe, den fidschianischen Indern, untergebracht. Geleitet wurde die Familie von Zarina. Sie ist eine UN-Beauftragte, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Man hat sehr viel Spaß mit ihr und ihren Kindern, von denen noch drei (Janice, Jennifer und Clarence) zu Hause wohnen. Es wird sich darum gesorgt, dass man genügend soziale Kontakte hat, und für das leibliche Wohl ist hervorragend gesorgt. Man respektiert hier auch die Privatsphäre und fühlt sich sicher. Man war nie abgeneigt für einen Plausch zu jeder Tageszeit und man ist gerne gesehen in der Küche, um mal wieder bei der Curryzubereitung oder der Zubereitung der einen oder anderen Roti zu helfen. Einzige Einschränkung ist hier, dass kein Schwein oder Rind aus Glaubensgründen gegessen wird. Aber man erhält genügend rotes Fleisch in Form von Hähnchen oder Lamm, auch wenn man vegetarisch lebt, gibt es genügend Möglichkeiten und Auswahl.
Ein weiteres Highlight war, dass in meiner Gastfamilie auch ein Japaner untergebracht war, was wohl auch in Zukunft der Fall sein wird. Ich hatte also auch noch weiteren interkulturellen Austausch direkt zu Hause. Mit ihm habe ich eigentlich alle Wochenendtätigkeiten gemacht (Fußball mit anderen Japanern, Essen gehen, Tennis spielen, Kino schauen oder einfach kochen und herumsitzen).

Ich habe hier sehr zentral gelebt und musste eigentlich nie das Taxi oder den Bus nutzen, wenn man keinen Zeitdruck hat (was in Fidschi eigentlich unmöglich ist - vaka malua). Der Übungssaal war 15 Fußminuten entfernt und das Stadtzentrum zehn Fußminuten oder die Vodafone-Arena 30 Fußminuten. Gleich nebenan habt ihr einen Tennisplatz, der an den Wochenenden für kurzweilige Aktivität sorgte.

Ausflugsmöglichkeiten:
Ihr seid auf Fidschi, was bedeutet, Ihr seid im Paradies. Ich habe selten schönere Landschaften gesehen. Man kann hier unheimlich viel tun. In Suva selber kam ich leider nicht zum Fischen, aber Clarence hat ein eigenes Boot, also könnt Ihr es einmal bei ihm versuchen, wenn er einmal wieder keine Nachtschicht hat.

Zweimal habe ich den Colo-i-Suva-Park besucht. Zudem kann man dort super wandern. Hier heißt es aber nur in einer Gruppe gehen, insbesondere für Frauen. Auch ein Eintritt ist fällig aber Verhandlungssache.
Unweit von Suva ist Pacific Harbour gelegen (30 Minuten mit dem Bus). Hier sind die Traumstrände von Viti Levu (Hauptinsel). Hier könnt ihr entspannen und einfach die Seele baumeln lassen.
Es bieten sich eigentlich sehr viele Möglichkeiten an, da Fidschi im Vergleich zu Deutschland doch recht klein ist. Ihr schafft es innerhalb von acht Stunden einmal um die ganze Hauptinsel. Von Nausori aus könnt Ihr überall hinfliegen (Ausnahme Kadavu), also auch Rotuma, was mir sehr empfohlen wurde. Von Suva direkt fahren Fähren in alle Landesteile, für den kleinen Geldbeutel. Hinzu kann man auch für einen Urlaub günstig nach Australien oder Neuseeland fliegen, Letzteres habe ich selber gemacht und absolut nicht bereut (andere Länder sind leider erheblich teurer).

Menschen:
Ich habe die Fidschianer selber als sehr freundliche Menschen kennen gelernt, solange man sie in ihren Routinen lässt. Wirklich zu schätzen habe ich das Land gelernt, als ich mich selber nicht mehr zu ernst nahm und aufgehört habe, ihr Handeln verstehen zu wollen. Sehr viel hilft hier einfach, nicht zu denken und einfach zu lächeln. Termine werden gerne ausgemacht, aber wirklich nie eingehalten. Lernt schon jetzt, bis zu vier Stunden einfach zu warten und nichts zu machen! das kann Euch überall passieren, und dann einfach trotzdem lachen und freut Euch!
Die Menschen reagieren in der Regel nicht auf Warum-Fragen, da es nicht gängig ist, nach dem Warum zu fragen. Ausnahmen waren hier die Inder und Rotumanen. Wenn ihr die Routinen selber kennenlernt, dann habt Ihr ein wunderbares Leben dort.

Wichtig ist, Ihr seid überall ein gern gesehener Gast, insbesondere wenn Ihr Kava dabei habt. Kava ist die Volksdroge, wie hierzulande Bier. Es wird immer und überall getrunken, und das bis zum wortwörtlichen Umfallen. Gewöhnt Euch schon einmal an das Zeug, obwohl es in Suva zum Glück noch dosiert getrunken wurde.

Abflug:
Der Rückflug ist noch einmal zehn Stunden länger als der Hinflug. Zugute kommt einem aber, dass nun eine Übernachtung in Incheon inbegriffen ist. Incheon ist hier wirklich perfekt für einen Ausflug in den nahe gelegenen Park, oder Ihr erforscht die Angebote des Hotels. Auf jeden Fall ist es ein Erlebnis, im 19. Stock das Frühstück zu genießen.

Fazit:
Für mich war Fidschi eine einmalige Erfahrung. So eine gegensätzliche Kultur zu der deutschen ist wohl schwierig zu finden. Ich habe hier sehr viel gelernt, aber das Größte ist wohl einfach die Geduld. Es fällt mir nun nicht mehr schwer, zwei Stunden einfach mit Nichtstun herumzubringen. Ich habe gelernt, Abstand zur multimedialen Welt zu finden, einfach mangels Möglichkeiten. Landesweite Stromausfälle nimmt man einfach mit Humor und freut sich einfach bei Kerzenschein, seine Gegenüber besser kennen zu lernen. Warmwasser habe ich nun wirklich zu schätzen gelernt, und wie toll nach einem Jahr ein Stück Fleisch sein kann.

Aber das Wichtigste ist wohl, wie freundlich Menschen sein können, die einen vorher nicht kennen. Man hat sich hier wirklich wie ein Teil der Familie gefühlt und war erstaunt, wie schnell die Zeit einfach rennen kann.