Workcamp Kenia – Uradi

Am 19.07.2014 begann unser Abenteuer am Frankfurter Flughafen. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht,was für unvergessliche vier Wochen vor uns liegen.

Wir, das sind 5 Mädels und eine Gruppenleiterin. Nach einer gut 27 stündigen Reise kamen wir sicher an unserem Ziel an: Willkommen in Uradi Paradise! Für die kommenden Wochen sollte ein wunderschöner, übersichtlicher und grüner Parish (Gemeinde) unser zu Hause sein, in dem wir richtig viel Spaß hatten. Wir wohnten in einem eigenen Haus, indem sich vier Einzelzimmer und zwei Doppelzimmer befanden. Es gab zwei Badezimmer mit einer „normalen“ Toilette und einer „Dusche“. Aus dem Wasserhahn kam kaltes Wasser heraus und mit einer Schüssel und ein paar Plastikflaschen hatte man seine ganz eigene Dusche. Die Schlafzimmer waren sehr gut ausgestattet! Jedes Zimmer hatte ein Bett, ein Moskitonetz und einen Schrank. In einigen Zimmern hingen sogar Ganzkörperspiegel. Auf dem Parish selbst befand sich noch die Kirche, ein Kolpinghaus, das Haus der Jahresfreiwilligen und des Fathers, ein großes Haus, welches als Halle benutzt wurde, sowie das Health Center, das Schwesternwohnheim, die Secondary School, die Primary School, der Kindergarten und eine Wohngemeinschaft für die Schülerinnen der Secondary School.

Während der drei Wochen, die wir in Uradi verbracht haben, arbeiteten wir dienstags und donnerstags in unseren ausgewählten Bereichen (Kindergarten, Primary School und Health Center), an den anderen Tagen strichen wir eine Kirche in dem nahe gelegenen Ort Kabura. Ab 14 Uhr hatten wir dann jeden Tag Freizeit und durften diese Zeit selbst gestalten. Einige von uns verbrachten die freie Zeit mit Wäsche waschen, mit Schlafen, mit Lesen und mit Deutschunterricht in der Secondary School. Es wurde uns nie langweilig. Einige spielten, bastelten oder malten im Kindergarten mit den Kindern und hörten ihnen aufmerksam beim Lernen zu. Andere bekamen in der Primary School ein bestimmtes Themengebiet, welches zu unterrichten war, korrigierten Klassenarbeiten oder lauschten dem Unterricht. Im Health Center standen Vorsorgeuntersuchungen der Kinder an, die vergleichbar sind mit unseren U-Untersuchungen. Zusätzlich wurden einige Kinder geimpft. Mit den Anstricharbeiten in Kabura hatten wir ein großes Projekt vor uns liegen, welches uns auch tatsächlich die drei Wochen gekostet hat. An den ersten Tagen mussten wir die Kirche von dem Dreck an den Wänden befreien. Dies geschah durch Abschmirgeln mit Schmirgelpapier - von außen und von innen - und war eine staubige und anstrengende Arbeit, die sich am nächsten Tag mit Muskelkater bemerkbar machte. Trotzdem war es einfach eine unvergessliche und einmalige Erfahrung. In den folgenden Wochen strichen wir zunächst die Wände in Gelb und zum Ende hin in Blau. An unserem letzten Arbeitstag haben wir es tatsächlich geschafft das Meisterwerk zu beenden. Wir waren alle mächtig stolz auf uns! So haben wir in Kabura eine Erinnerung an unser Workcamp 2014 hinterlassen.

Nach einem anstrengenden Arbeitstag in Kabura hatten wir immer den ca. 30 minütigen Fußmarsch vor uns, welcher uns durch die Natur Kenias führte. Durch die schöne Umgebung und die netten Bekanntschaften mit den Menschen merkte man oft nicht die starke Sonne, die bei einigen zu leichtem Sonnenbrand führte.Nachmittags erwartete uns schon immer das fabelhafte Essen von Made, die Köchin des Parishs. Sie bekochte uns jeden Tag und zum Leiden einiger viel zu gut. Es schmeckte so gut, dass wir uns tatsächlich Gedanken darüber machten, wie wir uns am besten im Flugzeug verteilen, damit es keine Schlagseite gibt. Es gab mittags oftmals Reis, Linsen und Fleisch - abends gab es eine große Auswahl: Chapati (ein wenig wie Pfannkuchen), Reis, Spaghetti, Kartoffeln, Ugali (grießähnliche Beilage), Sukumawiki (spinatähnlich), Weißkohl, Fleisch, Ei, Mandazi (Krapfen) und Linsen. Es war für jeden Geschmack etwas dabei. Morgens haben wir alle immer ausgiebig gefrühstückt. Einige Aufstriche hatten wir aus Deutschland mitgebracht, wie Nutella, selbstgemachte Marmelade oder Chrispy Crunch. Dort gab es bereits Marmelade, Blue Bend (Margarine) und Honig. Als Brot gab es immer Toast und wie eine liebe Dame uns lehrte, sollten wir das Toast immer toasten damit es mehr Geschmack bekommt. Versucht es doch einfach Mal selbst. Auch einige ganz wichtige Lehre: „You have to eat mountains!“ Glaubt also nicht, dass man nach jedem Essen das Gefühl hat, man würde nicht satt werden. Man wurde immer wieder aufgefordert mehr zu essen. Die Antwort, dass man bereits einen „mountain“ gegessen hatte, wurde verneint und es wurde erwähnt, dass es nur ein „stone“ war.

Während unserer Zeit hatten wir viel Kontakt zu den Menschen vor Ort, da sie uns immer bei unserer Arbeit begleitet haben. Einige versuchten uns Wörter der Sprache Dholuo beizubringen, die von den Luos gesprochen wird. So konnte sich jede von uns vorstellen, wir konnten fragen, wie es einem geht und konnten uns begrüßen. Auch die Luos waren daran interessiert einige deutsche Vokabeln zu lernen. Oft kam es zu lustigen Situationen, da die Aussprache für beide Seiten sehr schwierig war. In unserer gemeinsamen Zeit sprachen wir viel auf Englisch über das Leben und die Kultur in Deutschland und in Kenia. Dabei wurde einem nochmal deutlich, wie unterschiedlich doch Kulturen sind und wie schnell Normen und Werte selbstverständlich werden. Beispielweise ist es in Kenia gesetzlich erlaubt, dass Männer mehrere Frauen heiraten dürfen, Frauen aber nur einen Mann haben dürfen. Für Kenianer ist es unvorstellbar, dass dies in Deutschland nicht erlaubt ist. Auch war es für Kenianer unvorstellbar, dass Eltern getrennt sein können, dass jedoch das Kind weiterhin Kontakt zu Mutter und Vater hat. Dies wäre in Kenia unmöglich. Es kamen einige sehr interessante und tiefgründige, aber auch sehr lustige Gespräche zu Stande, die für beide Seiten sehr lehrreich waren.

An den Wochenenden durften wir unsere Zeit selbst gestalten. Grundsätzlich sind wir immer als Gruppe zusammen geblieben. Ein Wochenende haben wir bei einem anderen Workcamp in Lwak verbracht. Dies haben wir besucht und konnten uns so ein Bild machen, wie es in anderen Workcamps aussieht. An dem anderen Wochenende sind wir nach Kisumu gefahren, die nächst größere Stadt in der Umgebung. Wir haben uns die Stadt angesehen und waren auf dem Massai Markt einkaufen. An unserem letzten Wochenende sind wir im Parish geblieben, da dort ein Videodreh zu einem Musikvideo stattgefunden hat, indemwir, die Msungus (Weißen), natürlich nicht fehlen durften. Wir machten uns zurecht, zogen unsere selbstgeschneiderten kenianischen Kleider an und gaben unser Bestes bei den traditionellen Tänzen. An den Sonntagen war es grundsätzlich üblich, dass man in die Kirche geht und dort am Gottesdienst teilnimmt. Der Gottesdienst hat meistens gegen 10 Uhr begonnen und endete gegen 12:30 Uhr. Danach verbrachte man noch etwas Zeit mit den Leuten vor der Kirche. Der Gottesdienst war immer wieder schön. Der Ablauf war an sich der Selbe wie bei einem deutschen Gottesdienst, jedoch war alles viel fröhlicher; es wurde getanzt, gelacht und gesungen, einfach lockerer.

Nach drei Wochen Uradi hieß es dann schweren Herzens Abschied nehmen. Das fiel jedem von uns sehr schwer, denn Uradi war uns wirklich ans Herz gewachsen. Mit einem privaten Bus machten wir uns auf den Weg in die Reisewoche, die wir zuvor genau geplant und sowohl Unterkünfte, als auch Besichtigungen von Sehenswürdigkeiten gebucht und reserviert hatten. Die Organisation im Voraus war gut, so dass wir die Woche richtig genießen konnten. Wir besuchten als erstes eine Teefabrik mit den Teeplantagen in Kericho und übernachteten in der großen Stadt Nakuro. Des Weiteren verbrachten wir zwei Nächte in Naivasha, wo wir eine Nilpferdtour auf dem Lake Naivasha erlebten und in den Hell’s Gate Park fuhren. Der Hell’s Gate Park ist ein National Park mit Tieren, durch den man mit dem Fahrrad fahren kann. Es ist schon ein Unterschied, ob man nun eine Giraffe vom Auto aus sieht oder ihr direkt mit Fahrrad gegenübersteht. Dies war wirklich eine einzigartige Erfahrung. Unser letzter Stopp war in der Massai Mara, wo wir ebenfalls zwei Nächte verbrachten. Dort fuhren wir 2 Tage in den National Park und waren auf der Suche nach den Big Five (Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe, Leopard), die wir auch, bis auf das Nashorn, alle gesehen haben. Wir waren das ein oder andere Mal sprachlos wie nah wir die Tiere beobachten konnten und wie vielen großen Herden wir begegnet sind. Es war ein sehr faszinierendes und beeindruckendes Erlebnis. Die Zeit in Kenia ging leider viel zu schnell um. Gerne wären wir noch länger dort geblieben. Einige von uns stellten fest, dass es sicherlich nicht ihr letzter Besuch in Kenia war. Was uns ganz besonders traurig machte, war der Aspekt, dass wir wussten, dass es niemals wieder einen Besuch in Kenia gibt, in dem wir alle gemeinsam als Gruppe dort sind. Unsere Workcampgruppe war echt eine super Gruppe: Wir alle haben uns sehr gut verstanden und konnten uns aufeinander verlassen. In den ganzen vier Wochen gab es keinen einzigen Konflikt und keine Streitigkeiten.

Schade,dass die Zeit so schnell verging!

Teilnehmer_in 2014

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