Workcamp Indonesien – Java, Jatiwangi

Erschöpft und erleichtert kommen wir auf Java, Indonesien an.

Nach rund 30 Stunden Anreise per Flugzeug, Zug und Auto erreichen wir die kleine Nebenstraße in Jatiwangi in völliger Dunkelheit. Ausgelaugt fallen wir ins Bett – doch erst nachdem wir die liebe Begrüßung unserer Gastfamilie entdeckt haben: Kekse stehen bereit und ein Willkommensgruß in mehreren Sprachen ist an die Wand gepinnt.

Die ersten Eindrücke in Jatiwangi sind vielfältig. In unserer Straße ist es zwar ruhig, gleichzeitig ist immer etwas los. Sobald die Kinder aus der Schule kommen, toben sie zwischen den kleinen Häusern umher, spielen miteinander und trauen sich von Tag zu Tag mehr an uns „Fremde“ heran. Die Mädchen aus unserer Workcamp-Gruppe schlafen gemeinsam in einem Haus, die Jungs in einem Zimmer bei den Nachbarn um die Ecke. Egal, ob wir nur auf unserer kleinen Terrasse sitzen oder ob wir zum Supermarkt gehen: Überall werden wir angelächelt, angesprochen – oder den Mädels wird hinter her gepfiffen. Wir Deutsche sind nun einmal eine kleine Attraktion im beschaulichen Jatiwangi, weshalb wir auch gerne und oft fotografiert werden – mit oder ohne unserem Einverständnis.

In unseren ersten Tagen zeigt uns unsere Gastmutter Isnaeni, eine sehr gastfreundliche Deutschlehrerin, die Umgebung und stellt uns unsere Partnergruppe vor. Es sind rund zehn junge Indonesier, die sich auf Au-Pair-Stellen in Deutschland bewerben und aus diesem Grund bei Isnaeni Deutsch lernen. Mit ihren ersten Brocken Deutsch und ein wenig Englisch lernen wir uns zu verständigen.

Die erste große Aktion in unserem Workcamp findet im benachbarten Kindergarten statt. Dort bemalen wir die Außenwände und einen Lernraum gemeinsam mit der Partnergruppe mit bunten Tieren, Blumen und einem rosa Flugzeug – ganz im Stile von Thai Airways. Außerdem legen wir ein Blumenbeet an, das hoffentlich lange überleben wird in der feuchten Hitze und bei den vielen kleinen Kindern, die auf dem Geländer herum tollen. Uns wird zudem klar, dass die Selbstverständlichkeit, mit der wir in Deutschland unseren Abfall in Mülleimer schmeißen, in Indonesien kaum oder gar nicht vorhanden ist. Nicht nur auf der Hauptstraße und in Flussläufen sehen wir große, stinkende Müllberge. Auch in den Seitenstraßen wird der Abfall einfach in die Ecke geschmissen. Deshalb liegt schon bei der Einweihungsfeier im Kindergarten nach kurzer Zeit das erste Taschentuch im Beet. Doch es gibt immer einige aufmerksame Indonesier, die den emotionalen Wert der Arbeit schätzen und versuchen, aufzuräumen.

In der zweiten Woche sind wir in einer Schule eingeladen, wo wir gemeinsam mit den Schülern einen botanischen Garten anlegen sollen. Auf die praktische Arbeit freuen wir uns, doch unsere Erwartungen werden schon am ersten Tag auf die Probe gestellt. Drei Tage sind insgesamt für die Schule vorgesehen. Am ersten Tag werden wir mit einer Choraufführung und einem Solo-Auftritt eines Lehrers, der leidenschaftlich Whitney Houstons „One Moment in Time“ singt, begrüßt. Wir beschnuppern uns gegenseitig, lernen uns kennen und wir Deutschen bekommen einen ersten Eindruck einer sehr konservativen, muslimischen Schule, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Der zweite Tag steht ganz im Zeichen des botanischen Gartens. Die meisten Schüler sind mit viel Elan dabei und gemeinsam setzen wir unzählige Pflanzen in die Erde. Am letzten Tag werden wir erneut mit viel Tam-Tam verabschiedet. Gemeinsam singen wir Lieder, wir erhalten Unmengen Geschenke und werden zum Abschied tausendfach fotografiert – eben eine große Leidenschaft der Indonesier. Die letzte Woche steht im Zeichen von Isnaenis Schule. Dort sollen wir ein wenig Deutsch unterrichten, was auch fast immer klappt. Zwischendurch werden wir allerdings oft unterbrochen, um Fragen der Schüler zu beantworten – wie auch schon in der anderen Schule. Sie fragen meist nach unseren Eindrücken von Indonesien und welche Unterschiede es zu Deutschland gibt.

Die drei Wochen in Jatiwangi sind aber nicht nur durch Schulbesuche und Malerarbeiten gekennzeichnet. Durch unsere Partnergruppe erhalten wir Einblick in das muslimische Leben in Indonesien. Wir bekommen hautnah mit, wie oft die Muslime beten, warum sie das manchmal nicht so streng sehen mit den Gebetszeiten und dem Tragen des Kopftuchs und welchen Stellenwert die Ehe hat. Gemeinsam mit ihnen und unserer Gastfamilie unternehmen wir zudem am Wochenende Ausflüge, etwa zum Tempel von Borobudur. Während dieser Ausflüge wird uns klar, dass die Indonesier nicht nur aus Bequemlichkeit zuhause fast nur Reis essen, sondern auch wo anders, wo sie die Möglichkeit hätten, etwas anderes zu essen – faszinierend! Außerdem lernen wir, geduldig zu sein. In Indonesien kann man für eine Strecke von rund 100 Kilometern schon einmal 14 Stunden mit dem Auto brauchen, wenn man Pech hat und etwa in einen Stau gerät.

Unsere letzte Woche in Indonesien verbringen wir auf der Urlaubsinsel Bali, wo wir aber auch neben den ausgetretenen Touristenwegen unterwegs sind und dank eines charmanten Fahrers viele Ecken der Insel entdecken können. Ob hinduistische Tempelanlagen, Wasserfälle oder Dschungelpfade: Bali hat viel mehr zu bieten als nur Strand- und Badeurlaub!

Nach diesen letzten entspannten Tagen ging es für uns wieder zurück nach Deutschland – mit vielen neuen Eindrücken und neuen indonesischen Freunden.

Teilnehmer_in 2014

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