Sandra in Ghana

Hallo zusammen,
 
ich bin die Sandra und war 2011/12 als Freiwillige in Ghana. Noch vor meiner Anreise und auch vor Ort wurde ich ganz oft gefragt, „wieso Ghana?“. Tja, ich muss ehrlich sagen, am Anfang konnte ich das noch gar nicht so genau beantworten. Seit der Grundschule schon habe ich mich für den afrikanischen Kontinent interessiert, und es war immer ein Traum von mir, diesen Kontinent mal zu bereisen. Jetzt wo ich wieder zurück bin, kann ich euch diese Frage sogar beantworten. Ghana ist so ein vielfältiges Land, wo es einem kaum langweilig werden kann, mit circa 60 verschiedenen Sprachen, verschiedenen Religionen und einer atemberaubenden Natur. Auf all meinen Reisen hat mich noch kein Land so in den Bann gezogen wie Ghana. Man muss sich einfach trauen und fallen lassen. Dann taucht man in diese „fremde“ Kultur ein und lernt so viel Neues, über die Menschen, die Kultur aber auch über sein eigenes Land und über sich selbst.
 
Während meines zehnmonatigen Freiwilligendienstes im Rahmen des IJFD habe ich in einer ghanaischen Gastfamilie gewohnt, zusammen mit einer IJGD-Freiwilligen aus Hamburg. Es ist erstmal eine Umstellung das gebe ich zu, aber es ist auch einfach die beste Möglichkeit, um von Anfang an hautnah die Kultur zu erleben. Die ghanaische Partnerorganisation von Kolping, ARA (Agricultural and Rural Development Association), welche Euch Freiwillige vor Ort betreut, sorgt dafür, dass Ihr in den Gastfamilien gut versorgt seid, und dient Euch als Mittelsmann bei schwerwiegenderen Problemen. Macht Euch also keine Sorgen, Ihr seid nicht auf Euch allein gestellt.
 
Circa zwei Wochen nach meiner Ankunft habe ich angefangen in meinem Projekt zu arbeiten. Mein Projekt war die Swedru International School (SWIS) in Agona Swedru. Die SWIS ist eine Privatschule mit einem Internatszweig. Die Schule ist folgendermaßen strukturiert: Creche, was nichts anderes ist als ein Kindergarten, dann von der ersten bis sechsten Klasse die Grundschule, und danach drei Jahre Junior High, also Mittelstufe. Je nachdem was ein Freiwilliger für Fähigkeiten und Talente mitbringt, kann er/sie mit dem Schulleiter besprechen, welche Fächer er gerne unterrichten würde. Die Schule ist da relativ offen, damit es auch allen am meisten nützt.
 
Ich habe damals die Aufgabe des Naturkunde-Lehrers für die Klassen 5a und b und den Kunstunterricht für die beiden vierten Klassen übernommen. Man kommt ganz schnell in einen Alltag rein und stößt auch wahrscheinlich oft an seine Grenzen, so war es zumindest bei mir. Aber durch immer fortwährendes Reden haben sich die Probleme bei mir auch meistens klären lassen. Macht Euch nicht zu viele Gedanken! "Take it easy" ganz nach Ghana Art, und irgendwie klappt es dann auch immer.
 
Soviel zu der negativen Seite des Projektes, jetzt möchte ich Euch aber auch noch von zwei für mich total positiven Erlebnissen erzählen. Wie gesagt, ich habe den Kunstunterricht geleitet, und es ist schwierig, weil von der Schule keine Materialien gestellt werden und auch meist nur die Hälfte der Kinder sich die Materialien besorgt oder überhaupt leisten kann.
Deshalb habe ich, als es um die Farbenlehre ging, einfach Acrylfarben und Pinsel gekauft. Ich will damit jetzt nicht sagen, die Freiwilligen sollen ihr eigenes Geld investieren, das wäre nicht Sinn des Freiwilligendienstes, aber für mich war es in dem Moment die beste Möglichkeit. Oft war der Unterricht aufgrund der fehlenden Materialien meist theoretisch, deshalb haben sich die Kinder total gefreut, da sie vorher noch nie mit Acryl-Farbe gearbeitet haben. Wir haben zusammen Farben gemischt und Bilder gemalt. Es war ein heilloses Durcheinander, total chaotisch und echt anstrengend für mich, aber als ich gesehen habe, wie viel Spaß es den Kindern macht, war all der Stress vergessen.
 
Ähnlich ging es mir auch, als ich mit meinen Fünften Klassen im Naturkunde-Unterricht das Thema HIV/Aids durchgenommen habe. Oft werden die Kinder in ihren Familien erst zur Hochzeit richtig aufgeklärt, deshalb hat die Regierung beschlossen, HIV/Aids zu einem Unterrichtsthema zu machen, was fächerübergreifend besprochen werden sollte. Zwar wurde mir aufgetragen, dass ich mich dabei strikt an den Lehrplan halten soll, da befürchtet wird, dass Aufklärung die Kinder noch motiviert für Sex, aber ich fand es wichtig, dass die Kinder über die Krankheit Bescheid wissen, habe aber die Aufklärung, wie von mir verlangt, weggelassen.
Ich war positiv überrascht, wie viel Interesse die Kinder an dem Thema hatten, weil es zwar alltäglich ist und jeden betreffen kann, aber man normalerweise nicht darüber spricht. Am Anfang waren sie alle noch etwas schüchtern und lachten verlegen, sobald man nur das Wort Sex in den Mund nahm, aber als die Kinder gemerkt haben, das die Scheu total unbegründet ist, haben sie lauter Fragen gestellt. Als Aufgabe hatten sie, ein Rollenspiel zu schreiben und haben dieses dann aufgeführt. Dabei ging es darum, dass man Menschen mit HIV nicht wie Abtrünnige behandeln soll. Es war ein voller Erfolg!
 
Auch wenn es nicht immer so viel Spaß gemacht hat und ich mit vielen Situation auch einfach überfordert war, es geht bei dem Freiwilligendienst nicht darum, die Welt zu retten, sondern es geht vielmehr um die „vermeidlich“ unwichtigen, kleinen Dinge, die man bewirken kann. Und mir persönlich haben diese kleinen Dinge auch immer wieder, egal wie schlecht es gerade lief, ein Lächeln geschenkt und mich bestärkt, weiter zu machen und mein Bestes zu geben.
 
So ich hoffe ihr habt jetzt Interesse an diesem Projekt bekommen! Ich wünsche all denjenigen, die sich für dieses Projekt entscheiden viel Kraft und vor allem Spaß an der Sache.